Steuerkette und Zahnriemen haben im Motor dieselbe Aufgabe: Sie treiben die Nockenwelle im Takt der Kurbelwelle an, damit die Ventile im richtigen Moment öffnen und schließen. Der Unterschied liegt im Material und in der Wartung. Der Zahnriemen ist ein Gummiriemen, der nach festem Intervall gewechselt werden muss. Die Steuerkette ist aus Metall, läuft im Motoröl und gilt bei vielen Motoren als wartungsfrei. Beide können versagen, und beide führen dann bei den meisten Motoren zum Motorschaden.
Dieser Artikel vergleicht beide Systeme, nennt bekannte Problem-Motoren, erklärt die Besonderheit des Zahnriemens im Ölbad und zeigt, wie Sie herausfinden, was in Ihrem Auto steckt. Die Kosten im Detail stehen unter Zahnriemenwechsel: Kosten und Steuerkette wechseln: Kosten.
Der Unterschied auf einen Blick
| Merkmal | Zahnriemen | Steuerkette |
|---|---|---|
| Material | Gummi mit Zugträgern, innen gezahnt | Metallkette (Einfach- oder Doppelkette) |
| Schmierung | meist trocken, außen am Motor; Sonderfall Riemen im Ölbad | läuft im Motoröl, braucht Schmierung |
| Geräusch | leiser | lauter |
| Wartung | Wechsel nach Herstellerintervall (km und Jahre) | meist kein festes Intervall; Wechsel bei Verschleiß |
| Warnzeichen | kaum hörbar, Zustand nur per Sichtprüfung | Rasseln beim Kaltstart |
| Kosten pro Wechsel | meist einige Hundert Euro, bei aufwendigen Motoren vierstellig | meist deutlich teurer, ab etwa 500 Euro |
| treibt oft mit an | Wasserpumpe, Einspritzpumpe, teils Ölpumpe oder Ausgleichswellen | Ölpumpe, Einspritzpumpe |
| typisch für | Benziner und kleine Diesel, vor allem Reihenmotoren | vor allem V-Motoren, aber auch viele Vierzylinder |
Quellen: auto motor und sport, ADAC, repareo.
Vorteile und Nachteile des Zahnriemens
Der Zahnriemen läuft leiser als eine Kette und kommt mit einfachen Spannrollen aus. Er braucht kein Gehäuse und keine Schmierung. Für die Konstrukteure ist er flexibler: In den Riementrieb lassen sich Wasserpumpe, Ölpumpe oder mit doppelseitigen Riemen sogar Ausgleichswellen einbinden (auto motor und sport).
Der Nachteil: Gummi altert, auch wenn das Auto wenig fährt. Deshalb geben die Hersteller ein Wechselintervall in Kilometern und in Jahren an, und es gilt, was zuerst erreicht ist. Die Spanne ist groß: Ein Golf IV mit 1.9 TDI von 2000 braucht schon nach 60.000 Kilometern einen neuen Riemen, ein Golf VII 1.5 TSI von 2017 erst nach 240.000 Kilometern (ADAC). Manchmal senken Hersteller das Intervall nachträglich: BMW setzte es beim Vierzylinder M40 aus den 90er-Jahren auf 40.000 Kilometer herab (auto motor und sport).
Ein reißender Zahnriemen kündigt sich kaum an. Werkstätten bieten eine Sichtprüfung an, bei der sich Risse, ausgefranste Kanten oder Verformungen früh erkennen lassen (ADAC). Verlassen sollten Sie sich darauf nicht, das Intervall ist die eigentliche Sicherung.
Vorteile und Nachteile der Steuerkette
Die Steuerkette gilt allgemein als wartungsfrei und soll ein Motorleben lang halten. Sie ist temperaturbeständig und verträgt hohe Kräfte, weshalb sie vor allem in V-Motoren verbreitet ist (auto motor und sport).
Wartungsfrei heißt aber nicht verschleißfrei. Die Kette längt sich, Spanner und Gleitschienen nutzen sich ab. Ein Rechenbeispiel von auto motor und sport zeigt, wie schnell das relevant wird: Wird jedes Glied einer Kette mit 100 Gliedern nur drei Hundertstel Millimeter länger, ist die Kette insgesamt drei Millimeter länger. Ab einer gewissen Längung nimmt der Verschleiß an Kette und Rädern stark zu, und die Kette kann überspringen (auto motor und sport). Den Spanner, die Gleitschienen und die Kettenräder spätestens bei sechsstelliger Laufleistung prüfen zu lassen, schadet laut der Zeitschrift nicht.
Weitere Nachteile: Die Kette ist lauter, braucht mehr Platz und ist bei einem Schaden teurer zu reparieren, weil sie im Motor liegt. Der Vorteil der Kette ist, dass sie meist warnt: Ein Rasseln beim Kaltstart, das länger als einige Sekunden dauert, ist ein Grund für die Werkstatt. Mehr dazu unter Steuerkette: Rasseln und Lebensdauer.
Sonderfall: Zahnriemen im Ölbad
Einige neuere Motoren haben einen Zahnriemen, der wie eine Kette im Motoröl läuft. Das soll Reibung sparen. Ford führte die Technik 2008 bei seinen EcoBoost-Dreizylindern ein, Peugeot, Citroën und Opel zogen nach (auto motor und sport).
Diese Motoren sind empfindlich beim Öl: Sie dürfen nur mit dem vom Hersteller freigegebenen Öl befüllt werden. Andere Öle können den Riemen angreifen, sodass sich Partikel lösen. Ende Januar 2023 rief Stellantis in Deutschland mehr als 74.000 Autos mit 1,2-Liter-Benzinmotor zurück, weil abgelöste Teilchen die Vakuumpumpe des Bremskraftverstärkers verstopfen konnten (auto motor und sport).
Auch die Intervalle unterscheiden sich stark. Laut ADAC hat ein Citroën C3 1.2 PureTech (2018–2023) mit Riemen im Ölbad ein Intervall von 120.000 Kilometern oder 6 Jahren, ein Ford Fiesta 1.0 EcoBoost (2019–2024) von 240.000 Kilometern oder 10 Jahren (ADAC). Wer ein solches Auto fährt, sollte bei jedem Ölwechsel auf die richtige Ölfreigabe achten und sie auf der Rechnung prüfen.
Bekannte Problem-Motoren beider Systeme
Weder Kette noch Riemen schützen vor Konstruktionsfehlern. auto motor und sport nennt unter anderem diese Motoren mit Kettenproblemen (auto motor und sport):
- VW 1.2 TSI und 1.4 TSI: Speziell zwischen 2006 und 2008 gingen viele an gelängten Ketten zugrunde, manchmal nach rund 60.000 Kilometern. VW sprach von etwa 5.000 defekten 1.2 TSI.
- Mercedes M 271 (ab 2002): nur eine Einfachkette, die zu früher Längung neigte, vor allem bei vernachlässigtem Ölwechsel und viel Kurzstrecke.
- Mercedes M272 und M273 (V6 und V8, ab 2004/2005): Das Zahnrad der Ausgleichswelle war mangelhaft gehärtet, nach 60.000 bis 140.000 Kilometern konnte die Kette überspringen. Ende 2006 stellte Mercedes das ab.
- BMW N45, N43 und N47: Ketten sprangen über oder ab, beim N43 und N47 kamen bröselnde Gleitschienen hinzu.
- BMW B38 (Dreizylinder ab 2014) und der Hyundai/Kia-„Gamma“-Vierzylinder mit 1,4 und 1,6 Litern (ab 2006) in i20, i30, Rio und Cee’d.
Beim Zahnriemen betreffen die bekannten Probleme vor allem die Riemen im Ölbad und das falsche Öl, siehe oben.
Kosten: Was ist über die Jahre günstiger?
Der Zahnriemenwechsel kostet nach auto motor und sport auch bei einfachen Motoren wie im VW Polo mindestens 250 Euro, bei komplexeren Motoren bis rund 1.000 Euro, und wenn dafür der Motor heraus muss, wird es vierstellig. Der Wechsel einer Steuerkette beginnt bei freien Motoreninstandsetzern bei etwa 800 Euro und kostet etwa doppelt so viel, wenn der Motor ausgebaut werden muss, weil die Kette auf der Getriebeseite liegt (auto motor und sport).
Ein Rechenbeispiel mit den Zahlen aus diesem Artikel zeigt die Logik. Nehmen wir einen Motor, dessen Zahnriemen laut Hersteller alle 120.000 Kilometer oder 6 Jahre fällig ist, und einen Wechsel für 600 Euro. Bei 240.000 Kilometern in 12 Jahren sind das zwei Wechsel, also rund 1.200 Euro. Eine Kette, die durchhält, kostet in derselben Zeit nichts. Muss sie aber einmal getauscht werden, sind es je nach Motor 500 bis 2.500 Euro (repareo). Über die Lebensdauer liegen beide Systeme also oft in derselben Größenordnung. Teuer wird es bei beiden erst, wenn Sie den Wechsel verpassen.
Denn die Folgen eines Risses sind bei beiden gleich: Die Steuerzeiten geraten durcheinander, die Kolben treffen auf offene Ventile, und meist wird ein neuer Rumpfmotor fällig (ADAC). Nur Freiläufer, bei denen die Ventile genug Abstand zu den Kolben haben, überstehen das ohne Schaden. Weil moderne Motoren hoch verdichten, sind solche Motoren nahezu verschwunden. Bei einem älteren Auto bedeutet der Riss deshalb oft das wirtschaftliche Ende: Dann geht es um einen Austauschmotor oder um den Verkauf mit Motorschaden.
Hat mein Auto eine Steuerkette oder einen Zahnriemen?
So finden Sie es heraus:
- Serviceheft oder Wartungsplan: Steht dort ein Zahnriemenwechsel mit Kilometer- und Jahresangabe, hat der Motor einen Riemen. Fehlt der Punkt, spricht das für eine Kette.
- Werkstatt fragen: Mit den Angaben aus dem Fahrzeugschein, vor allem Hersteller- und Typschlüsselnummer, kann jede Werkstatt den Motor bestimmen und sagen, was verbaut ist.
- Motorkennbuchstaben: Kennen Sie den Motorcode, zum Beispiel aus einer alten Werkstattrechnung, lässt sich die Frage über Teilekataloge klären.
Ein Blick unter die Motorhaube hilft nur bedingt, weil beide Systeme hinter Abdeckungen liegen und Zahnriemen im Ölbad ganz im Motor verschwinden. Ebenfalls nützlich: Haben Sie ein Auto mit Zahnriemen gebraucht gekauft, fragen Sie nach dem Nachweis des letzten Wechsels. Bei scheckheftgepflegten Fahrzeugen sollte er im Rahmen der Wartung erfolgt sein (ADAC). Fehlt der Nachweis und ist das Intervall möglicherweise überschritten, ist ein vorsorglicher Wechsel günstiger als das Risiko eines Motorschadens.
Fazit: Worauf es wirklich ankommt
Ob Kette oder Riemen, beim Autokauf entscheiden Sie das selten bewusst. Wichtiger ist, das System Ihres Motors zu kennen und richtig zu behandeln:
- Zahnriemen: Intervall nach Kilometern und Jahren einhalten, beim Wechsel Spannrolle und, wenn vom Riemen angetrieben, die Wasserpumpe mit erneuern. Bei Riemen im Ölbad nur freigegebenes Öl verwenden.
- Steuerkette: Ölwechsel nach Vorgabe mit freigegebenem Öl, auf Rasseln beim Kaltstart achten und es nicht ignorieren.
- Beide: Ist ein Wechsel fällig und das Auto schon alt, rechnen Sie durch, ob sich die Wartung lohnt. Mit intaktem Motor lässt sich ein Auto deutlich besser verkaufen als mit einem Motorschaden.
Quellen
Stand: November 2026.
- auto motor und sport: Zahnriemen vs Steuerkette (27.04.2025) – Vor- und Nachteile, Zahnriemen im Ölbad, Stellantis-Rückruf 2023, Problem-Motoren, Kosten
- auto motor und sport: Steuerkette im Motor (01.06.2025) – Aufbau, Wartungsfreiheit
- ADAC: Zahnriemenwechsel (04.04.2025) – Intervalle, Sichtprüfung, Folgen eines Risses, Freiläufer
- repareo: Steuerkette wechseln – Kostenspanne Steuerkette



